13. Juni 2021 - Aschbuch

Der Ort und seine Vereine
Direkt zum Seiteninhalt

13. Juni 2021

Kirche
Predigt zum 11. Sonntag im Jahreskreis am 13. Juni 2021 in der Pfarrkirche in Kirchbuch
Prediger: Pfarrer Edward Kabba (Bild rechts)
Predigt zum 11. Sonntag im Jahreskreis

Liebe Schwestern und Brüder!
Es gibt Situationen im Leben, in denen wir Bilanz ziehen, z.B. auf einem Klassentreffen. Da erzählen sich Menschen, was sie gerade beruflich machen. Mehr noch: Sie blicken auf ihr Leben zurück. Was habe ich geleistet? Was ist aus mir geworden? Wie hat mein Lebensweg bisher ausgesehen? Dahinter stecken urmenschliche Sehnsüchte. Jeder möchte  anerkannt sein für das, was er aus sich gemacht hat. Wir wollen etwas gestalten und dafür Verantwortung tragen. Jeder möchte auf seine Hände oder seines Geistes Arbeit schauen und sagen: Seht her, wie tüchtig ich bin.
Das geht manchmal so weit, dass Menschen den Eindruck hinterlassen: Ohne mich geht gar nichts mehr! Von mir hängt alles ab; wenn ich mal nicht mehr da bin, kracht alles zusammen. Ich muss alles im Griff haben: Erziehung der Kinder, Beruf, Freizeit, Karriere. Das Leben wird nur noch durchorganisiert. Es zählt der Erfolg, und den meine ich dann,  mit Programm, mit Einsatz und Energie erzwingen zu können. Unersetzbar, wichtiger als andere zu sein, das steckt als Wunsch dahinter. Jedoch, wer ehrlich genug ist, wird bei solchen  Gedanken auch um die Grenzen wissen, die es im Leben gibt. Es ist nicht alles machbar und planbar. Vieles im Leben ist mir zugefallen. Und vieles ist mir auch misslungen.
Was sich hier im privaten Bereich sagen lässt, kann auch auf eine Institution wie die Kirche bezogen werden. Da können  wir uns auf große Leistungen berufen, stolz sein auf unsere   schönen Gebäude, auf die jahrhundertealten Traditionen. Wir werden zugleich viele Niederlagen eingestehen müssen.
Wir werden uns für unersetzbar halten und uns doch eingestehen müssen, dass uns die Zukunft aus den Händen zu gleiten droht.
Wir legen uns mit diesen eigenen, allzu menschlichen Maßstäben oft eine Last auf uns, die schwer drückt. Lasten, die sich auch im Leben auswirken. Wer kann denn so seines Lebens wirklich froh werden? Es wäre aber auch möglich, mit seinem Leben anders umzugehen!
So wird von Papst Johannes XXIII. berichtet, dass er unter der Last und der Verantwortung seines Amtes gelitten habe. Nachts träumte er, ein Engel sei ihm erschienen und habe ihm auf die Klage geantwortet: "Johannes, nimm dich nicht so wichtig!"
Das Evangelium heute geht in eine ähnliche Richtung. Das Gleichnis von der selbstwachsenden Saat ist etwas provokativ:  Mensch, du bist zwar wichtig, aber nimm dich nicht zu wichtig. Du wirst gebraucht, ja. Du kannst deine Fähigkeiten einsetzen, damit die Saat aufgeht: Du hast bei weitem nicht alles im Griff. Die Erde bringt wie von selbst ihre Frucht. Sie wächst, und der Mensch weiß nicht, wie. Er muss es auch  nicht wissen. Die Untätigkeit des Menschen steht im krassen Gegensatz zur Ernte, die am Ende winkt.
Damit meint Jesus vor allem das Reich Gottes. Vertraut  darauf, dass dieses unter euch wächst. Wenn das Senfkorn aufgeht - und Jesus lässt keinen Zweifel daran, dass es so ist -, dann wird es so groß, dass viele Vögel des Himmels darin Platz haben.
Diese Gleichnisse Jesu durchkreuzen uns Menschen, die wir meinen, alles machen zu können. Wir setzen auf Aktionspläne, auf Strategien, Hierarchien usw. Gott setzt auf das Senfkorn, das zum Baum des Lebens heranwächst. Wo sind die "Senfkörner" in unserer Kirche, in unserer Gemeinde, in der wir leben? Es sind nicht die wohlkalkulierten Rechnungen, die zum Ziel führen. Es ist vielmehr das Vertrauen auf Gott, das Vertrauen darauf, dass auch das Kleinste, das Geringste, das ich für andere tun kann, seinen Sinn hat.
Schließlich darf ich das Gleichnis auf mein persönliches Leben übertragen. Sie wissen selbst, wie zerstörerisch Misstrauen sein kann. Wie krank Menschen sein können, die sich nichts schenken lassen. Wie heilend ist dagegen Vertrauen: Vertrauen darauf, dass das Gute im Menschen wachsen kann, Vertrauen darauf, dass nicht nur das zählt, was ich geleistet habe, sondern auch, was mir wichtig und wertvoll im Leben ist: meine Familie, andere Menschen, Erfahrungen von Stille, von Dasein-Dürfen. Dieses Vertrauen hat nichts mit Faulenzen zu tun, aber viel mit Gelassenheit. Und mit Humor: Über sich selbst lachen können, sich nicht so ernst und wichtig zu nehmen. Ich brauche in meinem Leben nichts zu kontrollieren oder zu überwachen, weil da Gott selbst ist, der mich führt, der in dieser Welt Sorge trägt. Wichtig ist, Gott zu vertrauen, dass das, was wird, gut wird. SICH Gott anzuvertrauen. Weil alles, was in Seinen Händen liegt, gut ist und gut wird.

Zurück zum Seiteninhalt